Hinweis: Aufgrund hoher Spam-Aufkommen ist die Registrierung neuer Mitglieder vorübergehend pausiert. Bestehende Threads bleiben weiterhin lesbar.

Wie viel Prozent vom Netto wirklich in ETFs stecken? (2.800€ Beispiel)

Kategorie: ETFs-und-Wertpapiere  ·  erstellt von Martina R.  ·  06. Jul 2025, 10:05  ·  16 Antworten · 1367 Aufrufe

Hey Leute 👋

Ich bin Erzieherin, verdiene 2.800€ netto und spare seit einem Jahr monatlich 150€ in einen MSCI World ETF (bei der DKB, Sparplan läuft automatisch). Das sind so knappe 5,4% vom Netto. Eigentlich dachte ich, ich bin schon mega stolz auf mich – aber dann lese ich überall "spare mindestens 20% vom Netto" und fühl mich direkt wieder schlecht 😅

Miete kostet mich 780€ warm, ich hab noch einen Handy-Vertrag, Lebensmittel, ab und zu mal ausgehen... und am Ende des Monats ist halt nicht mehr viel übrig. Notgroschen hab ich so ca. 2.000€ auf dem Tagesgeldkonto – das reicht vielleicht für 2 Monate, ist also auch noch ausbaufähig.

Meine Frage: Gibt es wirklich eine Faustregel, die sagt "X% vom Netto in ETFs", oder ist das totaler Quatsch weil jeder andere Ausgaben hat? Und wie rechnet ihr das eigentlich – vor oder nach Notgroschen? Also erst den Notgroschen aufbauen und DANN mehr in ETFs, oder beides gleichzeitig?

Ich frag mich auch: Brauche ich als Erzieherin bei der mickrigen gesetzlichen Rente nicht eigentlich MEHR als 20%? Oder übertreibe ich gerade? 🥕

Bin für jeden Tipp dankbar, auch wenn er lautet "Martina, hör auf YouTube-Finanzgurus zu schauen" lol

— Kleines Gehalt, große Träume 🥕

Also ich sag mal so: die 10-20%-Regel ist halt ein Richtwert aus den USA, wo die Leute keine gesetzliche Rente haben wie wir. Trotzdem schadet es nicht sich daran zu oreintieren.

Du machst 150€ bei 2.800€ netto, das ist halt wenig. Aber besser als nix, das sag ich aus eigener Erfahrung. Ich hab mit 38 angefangen zu sparen, da war auch schon einiges verloren.

Erstmal würd ich sagen: Notgroschen auf 3 Monate aufstocken, also auf ca. 4.500-5.000€ bei deinen Ausgaben. Dann schau was übrig bleibt und erhöhe den Sparplan. Kein Hexenwerk.

omg ich hab 950€ netto als Azubi und spare 50€ 😂 du bist mit 150€ bei fast 3k schon voll okay finde ich!! keine ahnung warum alle immer so tun als wäre weniger als 20% eine Katastrophe

ich glaub das kommt voll drauf an ob du Miete zahlst, Schulden hast, Familie oder so. bei mir wäre 20% schlicht unmöglich lol 😅

— Azubi-Gehalt reicht kaum – aber Sparplan läuft 😅

bruder (bzw. schwester lol) 5% ist halt echt mau wenn wir ehrlich sind 😬 aber ich versteh das, Erzieherin in Deutschland = systemrelevant aber bitte kein Geld dafür, klassisch 🙄

ich würd mal konkret durchrechnen: 2.800€ minus 780€ Miete = 2.020€. Davon Essen ~350€, Handy/Strom/Internet ~80€, Transport ~100€, bisschen Leben ~200€... bleiben locker 300-400€ übrig oder? Also hast du eigentlich Spielraum für mehr als 150€ 👀

Notgroschen würd ich parallel aufbauen, nicht nacheinander. Sag mal 100€ täglich Tagesgeld, 200€ ETF. Dann hast du in nem Jahr 1.200€ mehr Puffer UND mehr im Depot. win win bro 🤙

Ich fahr seit 22 Jahren Bus und hab erst mit 48 angefangen ernsthaft zu sparen. Also erst mal: keine Panik, mit 30 oder was auch immer du bist hat man noch massig Zeit.

Diese Prozentregel-Diskussion geht mir ehrlich gesagt auf den Zeiger. Als ob 20% für eine Erzieherin in Bielefeld dasselbe bedeuten wie für einen Unternehmensberater in Frankfurt. Das ist doch Quatsch.

Was ich machen würde: Notgroschen auf 3 Netto-Monatsgehälter bringen – bei dir also rund 8.400€. Ja, ich weiß, klingt viel. Aber bis dahin parallel 150€ ETF laufen lassen. Danach alles was du für den Notgroschen gespart hast, ab in den Sparplan.

— Bin gerne Querulant wenn die Bankgebühren steigen

Gestatten Sie mir eine etwas nüchternere Einschätzung.

Die verbreiteten Faustregeln – 10% nach Suze Orman, 20% nach diversen deutschen Finanzratgebern – sind statistisch abgeleitete Durchschnittswerte ohne Berücksichtigung individueller Rentenlücken. Für eine Erzieherin mit gesetzlicher Rentenversicherung, aber ohne betriebliche Altersvorsorge, ist die Situation tatsächlich besonders relevant.

Konkret: Bei 2.800€ Netto und aktuellem Rentenniveau können Sie mit einer gesetzlichen Rente von grob 1.400–1.700€ (vor Steuer, bei 40 Beitragsjahren) rechnen. Das Rentenniveau sinkt weiter. Eine Lücke von 600–900€ monatlich im Alter ist realistisch. Um diese über 20 Jahre Rentenbezug zu schließen, bräuchten Sie ein Depot von ca. 150.000–200.000€ – bei 7% p.a. Rendite und 30 Jahren Ansparzeit wären dafür ca. 160–190€ monatlich rechnerisch ausreichend.

Ihre 150€ sind also nicht so weit weg vom Ziel, wie es sich anfühlt. Aber mittelfristig auf 200–250€ zu erhöhen, sobald der Notgroschen steht, wäre sinnvoll.

— Die Abgeltungssteuer ist nicht das Ende – nur fast.
Zuletzt bearbeitet von August P. am 17. Jul 2025, 07:29 – Grund: Rechenfehler bei Rentenbezugsdauer korrigiert

warte mal kurz @Abgeltungssteuer_August hat da gerade echt ne Zahl hingeworfen die ich ncht ganz checke 😅 also 160€ reichen für 200k depot? wie lang dauert das denn? hab mal schnell gerechnet... 160 x 12 x 30 = 57.600€ eigenes Geld rein. der rest kommt dann vom zinseszins oder wie? klingt irgendwie zu schön um wahr zu sein lol 🤔

AzubiAlexander_2021 schrieb:160 x 12 x 30 = 57.600€ eigenes Geld rein. der rest kommt dann vom zinseszins oder wie?

Genau so ist das gemeint. Der Zinseszinseffekt über 30 Jahre bei 7% p.a. (historische Durchschnittsrendite eines MSCI World, vor Inflation und Steuer) ergibt bei 160€ monatlich rechnerisch ca. 194.000€ Endwert. Davon haben Sie 57.600€ selbst eingezahlt – der Rest ist Kapitalwachstum. Das ist keine Magie, sondern Mathematik. Allerdings: nach Abgeltungssteuer und Inflation reduziert sich der Realwert erheblich. Deswegen lieber etwas mehr einzahlen als zu wenig.

— Die Abgeltungssteuer ist nicht das Ende – nur fast.

Die Ausführungen von Kollege August sind im Grundsatz korrekt, ich möchte jedoch einen Aspekt ergänzen, der in solchen Diskussionen regelmäßig untergeht: der Freistellungsauftrag.

Bei einem Sparplan, der über viele Jahre läuft, sollte man frühzeitig einen Freistellungsauftrag bei der depotführenden Bank einrichten – derzeit 1.000€ pro Person jährlich. Das klingt banal, aber ich erlebe regelmäßig Mandanten, die das schlicht vergessen haben und dann unnötig Abgeltungssteuer auf Dividenden zahlen. Bei der DKB, die Sie nutzen, geht das online in zwei Minuten.

Zum eigentlichen Thema: Eine starre Prozentregel halte ich für wenig zielführend. Relevant ist die individuelle Rentenlücke, nicht ein generischer Richtwert.

— Steuerliche Optimierung beginnt vor dem Abschluss, nicht danach.

Ich versuch mal das alles etwas zu bündeln, weil ich glaube der Thread entwickelt sich gerade in die richtige Richtung. 🙂

Meine persönliche Priorisierung (für jemanden in deiner Lage):

  1. Notgroschen auf 3 Nettogehälter = ~8.400€. Du hast 2.000€, brauchst also noch ~6.400€. Bei 200€/Monat extra dauert das ca. 2,5 Jahre – parallel zum ETF-Sparplan.
  2. ETF-Sparplan mindestens halten, idealerweise auf 200€ erhöhen wenn möglich. MSCI World oder FTSE All-World sind beide fine, kein Grund zum Grübeln.
  3. Betriebliche Altersvorsorge checken: Bietet dein Träger (Kommune, freier Träger?) eine bAV an? Das wird oft übersehen und kann steuerlich interessant sein.

Die 20%-Regel ist für Leute gedacht, die kein BAföG, keine Schulden, keine Miete im teuren Pflaster haben. Bei 2.800€ Netto in Bielefeld (Miete 780€ warm – übrigens gar nicht mal so günstig) ist 10–12% realistischer als Ziel. Also 280–336€/Monat langfristig. Das ist ein machbares Ziel, kein utopischer Wert.

— VWCE and chill. 🌍

ich mach 2.600€ netto und steck 100€ in den sparplan und schlaf trotzdem gut lmao 🤷 alle diese prozentzahlen machen mich wahnsinnig. hauptsache überhaupt was sparen und nicht jeden monat im minus enden

@DepotDepp_Denny hat aber recht dass man mal konkret durchrechnen sollte was wirklich übrig bleibt. ich dachte auch immer ich hab nix übrig bis ich mal wirklich alles aufgeschrieben hab und gemerkt hab dass ich allein für Döner und Lieferando ~130€ im monat verbraten hab 💀

— hauptsache kein minus am monatsende lol

Ich möchte nochmal auf den Notgroschen eingehen, weil das meiner Meinung nach zu schnell abgehakt wird.

2.000€ sind bei Ausgaben von grob 1.800-2.000€ im Monat tatsächlich weniger als ein Monatsgehalt als Puffer. Das ist mir persönlich zu knapp. Was passiert wenn die Waschmaschine kaputtgeht, das Auto streikt oder man einen Monat krankgeschrieben ist? Krankengeld setzt erst ab dem 43. Krankheitstag ein, davor zahlt der Arbeitgeber – aber das ist auch nicht ewig.

Ich würde konkret empfehlen: ETF-Sparplan auf 100€ reduzieren (ja, wirklich), und die restlichen 50€ plus was auch immer möglich ist in Richtung Notgroschen schieben. Tagesgeld bei der ING gibt aktuell noch vernünftige Zinsen. Sobald du bei 5.000-6.000€ bist, Sparplan wieder hochschrauben.

Das ist nicht sexy, aber sicher.

— Sicherheit geht vor – auch wenn die Rendite weint.

@TagesgeldThorsten_K das ist eine valide Strategie, aber ich würd den ETF-Sparplan nicht runtersetzen. Der psychologische Effekt, den Sparplan zu kürzen, führt erfahrungsgemäß dazu dass er nie wieder hochgesetzt wird. Kenn ich von mir selbst.

Besser: Ausgaben ehrlich analysieren (Stichwort Döner-Budget von Norwin 😄) und den Notgroschen aus echten Einsparungen aufbauen, nicht aus dem Depot-Budget.

— VWCE and chill. 🌍

Was ich noch ergänzen würde: schau dir mal an ob du VL-Leistungen bekommst. Als Erzieherin im öffentlichen Dienst oder bei einem Träger gibt's da oft was – 40€/Monat vom Arbeitgeber in einen ETF-Sparplan (vermögenswirksame Leistungen). Die meisten wissen gar nicht dass sie das haben oder vergessen es zu beantragen.

Würde bei dir 40€ on top bedeuten ohne dass du mehr ausgibst. Lohnt sich der kurze HR-Anruf auf jeden Fall. 📞

— Erste Gehaltserhöhung direkt in den Sparplan.

VL-Leistungen – sehr guter Punkt von @KarriereKletterer_Jo 👆 Das hat mein Vater 15 Jahre lang nicht genutzt weil er dachte das lohnt sich nicht. 15 x 12 x 40€ = 7.200€ die er einfach hat liegen lassen. Schmerzt mich bis heute stellvertretend 😂

Ansonsten mal zur ursprünglichen Frage: die Antwort ist halt wirklich "es kommt drauf an" – aber nicht im nichtssagenden Sinne. Es kommt konkret drauf an:
1. Wie groß deine Rentenlücke ist
2. Ob du andere Absicherungen hast (Riester? bAV? Eigentum?)
3. Wie stabil dein Job ist (beeinflusst wie hoch der Notgroschen sein sollte)

Für Erzieherinnen in Bielefeld ohne Eigenheim würde ich sagen: 15% netto ist ein realistisches langfristiges Ziel. Das sind 420€. Klingt viel, aber mit VL, Gehaltserhöhungen und konsequentem Ausgaben-Tracking erreichbar.

— Portfolio = 2 ETFs, 1 Krypto-Fehler und ein Bauchgefühl 😂
Zuletzt bearbeitet von Finn am 13. Okt 2025, 00:48 – Grund: Rechnung korrigiert (hatte 8.400€ geschrieben, richtig ist 7.200€)

Ich lese diesen Thread aufmerksam und möchte eine etwas andere Perspektive einbringen.

All die genannten Zahlen und Faustregeln sind nur so gut wie die Disziplin, mit der man sie umsetzt. Ich führe seit 1998 ein Haushaltsbuch – zunächst auf Papier, seit 2012 digital. Was ich dabei gelernt habe: Der größte Feind des Sparens sind nicht die großen Ausgaben, die man sieht, sondern die kleinen, die man nicht sieht.

Mein konkreter Vorschlag: Führen Sie drei Monate lang penibel Buch über jede Ausgabe. Nicht schätzen – jeden Kaffee, jeden Spontankauf notieren. Erst dann wissen Sie wirklich, wo Ihr Geld bleibt. Bei 2.800€ Netto und 780€ Miete sollten mindestens 300-400€ monatlich für Sparzwecke möglich sein, wenn man es ernst meint.

Die Prozentregel beantwortet die falsche Frage. Die richtige Frage lautet: Was brauche ich wirklich im Alter, und wie viel muss ich dafür heute zurücklegen?

— Sorgfalt zahlt sich aus – buchstäblich.

Sorry für den Nachruf auf diesen Thread – bin gerade durch Zufall nochmal drüber gestolpert. Wollte nur sagen: @RoswithaSpartStreng hat das eigentlich am besten zusammengefasst. Haushaltsbuch klingt spießig, aber ich hab das vor 3 Jahren angefangen und gemerkt dass ich monatlich 80€ für irgendwelche Abos ausgegeben hab die ich gar nicht mehr genutzt hab. Direkt gekündigt, Sparplan erhöht. Manchmal ist die einfachste Lösung die beste.

Martina, falls du noch liest: wie läufts bei dir inzwischen?

— Bin gerne Querulant wenn die Bankgebühren steigen
Du möchtest auf diesen Thread antworten? Die Registrierung neuer Mitglieder ist derzeit pausiert. Zurück zur Übersicht.