Axel B.
Mitglied
Beiträge: 28
Aus: Erfurt
Dabei seit: 2023-01-22
📅 27. Mär 2025, 09:17 Themenersteller
#128
Hallo zusammen,
ich dreh hier gerade ein bisschen durch und hoffe dass mir jemand helfen kann. Ich hab bis vor zwei Jahren bei nem Betrieb gearbeitet wo ich über den Arbeitgeber in eine Pensionskasse eingezahlt hab – das lief alles automatisch, ich hab da ehrlich gesagt nie großartig drüber nachgedacht. Waren glaub ich so 4-5 Jahre Beiträge.
Jetzt hab ich von nem Kumpel gehört, dass diese Pensionskasse wohl in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist. Er meinte irgendwas von BaFin-Aufsicht und Leistungskürzungen. Ich hab dann selbst mal gegoogelt und da steht tatsächlich was von Sanierungsbedarf und so.
Meine Fragen:
- Was passiert mit meinen eingezahlten Kohlen wenn die wirklich pleite gehen?
- Springt da irgendein Sicherungsfonds ein? Ich hab mal was vom Pensions-Sicherungs-Verein gehört aber ich weiß nicht ob das für Pensionskassen überhaupt gilt
- Was soll ich jetzt konkret tun? Irgendwelche Briefe schreiben, Fristen beachten?
Ich bin 31 und das ist zwar noch weit bis zur Rente aber ich will halt nicht einfach zusehen wie mein Geld weg ist. Bin Mechatroniker, von Finanzkram hab ich echt keine Ahnung.
Danke schonmal
— Rente mit 67 – da muss ich ja jetzt anfangen oder?
Amelie H.
Mitglied
Beiträge: 98
Aus: Hannover
Dabei seit: 2023-04-02
📅 15. Apr 2025, 19:02
#130
warte mal kurz ich versteh das grad nicht ganz 😅 also der ARBEITGEBER haftet dann für das geld?? auch wenn man da schon gar nicht mehr arbeitet??
weil das wär ja krass, ich zahl auch grad über meine firma in irgendwas ein und hab keine ahnung was das überhaupt ist lol
— broke aber lernwillig 💸
Hanne
Mitglied
Beiträge: 131
Aus: Hamburg
Dabei seit: 2022-01-09
📅 15. Apr 2025, 20:59
#131
@AzubineAmelieH Ja genau so ist das! Das nennt sich subsidiäre Haftung des Arbeitgebers nach § 1 Abs. 1 Satz 3 BetrAVG. Der Arbeitgeber steht quasi als Ausfallbürge dahinter, auch wenn du längst weg bist. Das gilt solange dein Anspruch als unverfallbar gilt – und der wird unverfallbar wenn du mindestens 3 Jahre dabei warst UND das 21. Lebensjahr vollendet hast (seit 2018, davor galten andere Fristen).
@AltersvorsorgeAnfänger_Axel Axel, 4-5 Jahre eingezahlt – du bist also sehr wahrscheinlich auf der sicheren Seite was Unverfallbarkeit angeht 👍 Dein Ex-Arbeitgeber muss ran wenn die Pensionskasse kürzt. Das ist gesetzlich so geregelt.
Erste konkrete Schritte:
- Ruf bei deiner alten Firma an oder schreib eine Mail – frag nach deinem aktuellen Stand und der Versorgungszusage
- Hol dir deinen letzten Jahresauszug der Pensionskasse raus
- Schau ob du eine schriftliche Versorgungszusage hast (die solltest du bekommen haben als du eingetreten bist)
Keine Panik, aber dran bleiben! 💪
— Wenig Geld, viel Herz – und trotzdem was zur Seite legen 💪
Finn
Stammuser
Beiträge: 782
Aus: Kiel
Dabei seit: 2021-10-11
📅 20. Apr 2025, 20:59
#132
Hanne hat das gut zusammengefasst. Ich ergänz noch kurz den PSVaG-Punkt weil da viel Verwirrung herrscht:
PSVaG sichert ab: Direktzusagen, Unterstützungskassen, Pensionsfonds (regulierte)
PSVaG sichert NICHT ab: Pensionskassen (reguläre), Direktversicherungen
Bei Pensionskassen ist die BaFin der zentrale Akteur. Die kann Leistungskürzungen genehmigen (das ist das was du wohl gelesen hast), aber auch Sanierungs- und Finanzierungsmaßnahmen anordnen. Das klingt schlimm, ist aber oft kein Totalverlust – eher ein Haircut von 5-20%.
Welche Pensionskasse ist es denn? Falls du's sagen magst – manche haben öffentlich bekannte Probleme (Caritas, BVV etc. hatten alle schon Presse). Ohne Namen ist die Einschätzung schwierig.
— FIRE mit 45 – oder ich versuche es zumindest.
Axel B.
Mitglied
Beiträge: 28
Aus: Erfurt
Dabei seit: 2023-01-22
📅 21. Apr 2025, 23:59
#133
@FrugalistFinn_aus_Kiel ich sag mal lieber keinen Namen öffentlich, will nix falsches schreiben. Aber ja, es geht um ne kleinere branchenspezifische Kasse, nicht die ganz großen.
@HamburgerHaushalt_Hanne danke für die konkreten Schritte, das hilft wirklich! Ich glaub ich hab irgendwo noch Unterlagen, muss ich suchen.
— Rente mit 67 – da muss ich ja jetzt anfangen oder?
Sophie (CH)
Mitglied
Beiträge: 282
Aus: CH
Dabei seit: 2021-03-21
📅 22. Apr 2025, 15:59
#134
Ich bin zwar aus der Schweiz und unser System ist komplett anders (BVG mit Sicherheitsfonds, der wirklich universell einspringt), aber ich find das erschreckend wie wenig Leute in DE wissen in was sie da einzahlen.
Eine Frage an die Deutschen hier: Gibt es eigentlich keine Pflichtinformation an die Versicherten wenn eine Pensionskasse in Schieflage gerät? Bei uns kriegt man da recht schnell Post.
— Franken statt Euros, Probleme trotzdem ähnlich 🐷
Lothar B.
Senior Mitglied
Beiträge: 528
Aus: Karlsruhe
Dabei seit: 2019-09-15
📅 11. Mai 2025, 15:59
#135
@SparschweinSophie_CH Die BaFin veröffentlicht zwar Informationen, aber eine direkte Informationspflicht gegenüber den Versicherten ist in Deutschland tatsächlich schwach ausgeprägt. Die Pensionskasse selbst muss bei geplanten Leistungskürzungen die Versicherten schriftlich informieren – aber das passiert oft sehr spät im Prozess.
Zum eigentlichen Thema: Axel, ich unterrichte seit Jahren Wirtschaft und erkläre das meinen Schülern immer so: Eine Pensionskasse ist ein reguliertes Versicherungsunternehmen. Sie kann nicht einfach insolvent werden wie ein normales Unternehmen, weil die BaFin vorher eingreift. Was aber passieren kann – und das ist das eigentlich Unangenehme – ist eine dauerhafte Leistungskürzung. Konkret: Du bekommst später weniger Rente als zugesagt, aber nicht null.
Die subsidiäre Arbeitgeberhaftung ist dein wichtigstes Instrument. Dein Ex-Arbeitgeber muss die Differenz ausgleichen. Falls dieser selbst insolvent ist, dann greift tatsächlich der PSVaG – das ist die letzte Sicherungsstufe.
— 25 Jahre Sparplan – ich hab's gesehen.
Karlheinz F.
Mitglied
Beiträge: 44
Aus: Freiburg im Breisgau
Dabei seit: 2021-08-30
📅 11. Mai 2025, 22:58
#136
Ich möchte mal aus der Praxis berichten. Ich war zwar Beamter und hatte somit Pension, aber ein Kollege von mir hat genau dieses Problem mit seiner betrieblichn Altersvorsorge erlebt – vor etwa 8 Jahren.
Seine Pensionskasse hat Leistungen um 12 Prozent gekürzt. Er hat dann seinen ehemaligen Arbeitgeber (ein mittelständisches Unternehmen) angeschrieben und die haben tatsächlich gezahlt, also den Differenzbetrag übernommen. Hat aber fast ein Jahr gedauert bis alles geklärt war. Schriftlich alles festhalten!
— Mit 67 noch was gelernt: Tagesgeld vergleichen lohnt sich!
Zuletzt bearbeitet von Karlheinz F. am 11. Mai 2025, 23:25 – Grund: Tippfehler korrigiert
Marko
Mitglied
Beiträge: 120
Aus: Hamburg
Dabei seit: 2023-02-17
📅 12. Mai 2025, 05:21
#137
Na toll, wieder mal das deutsche Vorsorgesystem das einem das Vertrauen in die bAV versaut 😤
Ernsthaft mal: wieso macht man sowas eigentlich noch freiwillig mit? Ich mein klar, Arbeitgeberzuschuss und Steuerersparnis sind nice – aber wenn ich hören muss dass die Kasse kürzt und ich dann meinen Ex-Chef verklagen muss um mein Geld zu kriegen... da kauf ich doch lieber einfach nen ETF-Sparplan und gut ist.
@AltersvorsorgeAnfänger_Axel für dich jetzt: Anwalt für Arbeitsrecht könnte sinnvoll sein wenn der Arbeitgeber nicht kooperiert. Erstberatung kostet meist 190 Euro, lohnt sich aber wenn da ein paar Tausender auf dem Spiel stehen.
— Maklercourtage: legaler Raub? Diskutiert! 😤
Hans-Georg M.
Stammuser
Beiträge: 147
Aus: Reutlingen
Dabei seit: 2020-02-14
📅 12. Mai 2025, 11:34
#138
@MaklerSchreck_Marko Jetzt mal langsam. Die bAV hat trotzdem Vorteile – besonders wenn der Arbeitgeber 50% oder mehr dazuschießt. Da muss der ETF erstmal ankommen.
Aber du hast nicht ganz Unrecht: wenn man die Kasse nicht kennt und keine Ahnung hat was dahinter steckt, ist das tatsächlich ne Blackbox. Ich kenn Leute die haben jahrelang eingezahlt und wussten nicht mal den Namen der Pensionskasse.
Axel: schau mal ob deine alte Firma noch existiert und ob die stabil sind. Denn die subsidiäre Haftung ist nur so viel wert wie die Bonität des Ex-Arbeitgebers. Wenn der auch pleite ist, wirds komplizierter.
— Schaffe, schaffe, Häusle baue – und ETFs kaufe.
Knut
Mitglied
Beiträge: 66
Aus: AT
Dabei seit: 2022-09-11
📅 13. Mai 2025, 17:34
#139
In Österreich haben wir für die Betriebliche Vorsorge (BMSVG) den Vorteil dass die Abfertigungskassen streng reguliert und durch einen gesetzlichen Sicherheitsmechanismus geschützt sind – ein direkter Vergleich ist schwierig, aber ich verstehe die Sorge.
Was ich dem Axel mitgeben würde: Dokumentation ist alles. Jeder Brief, jede E-Mail, jeder Jahresauszug – aufheben. Wenn es zu einem Rechtsstreit kommt, zählt was schriftlich belegt ist. Das gilt übrigens auch für das Gespräch mit dem Ex-Arbeitgeber: danach eine kurze Bestätigungs-Mail schicken mit dem Inhalt des Gesprächs.
— Kreditkarte ja – aber bitte vollständig abbezahlen jeden Monat.
Gino B.
Mitglied
Beiträge: 42
Aus: Frankfurt am Main
Dabei seit: 2022-03-27
📅 13. Mai 2025, 21:15
#140
Ich arbeite im Bankbereich und kann das noch ein bisschen konkretisieren:
Es gibt in Deutschland zwei Varianten wenn eine Pensionskasse in Schieflage gerät:
- Sanierung durch Beitragserhöhung – Arbeitgeber zahlen mehr ein, Leistungen bleiben stabil
- Leistungskürzung nach § 65 VAG – BaFin genehmigt Kürzung, Arbeitgeber haftet subsidiär für die Differenz
Eine richtige Insolvenz mit Totalverlust ist bei Pensionskassen extrem selten – die BaFin greift vorher ein. Das letzte große Beispiel war die Pensionskasse der Caritas, die 2021 Leistungen gekürzt hat. Selbst da war's kein Totalausfall.
@AltersvorsorgeAnfänger_Axel Schreib der Pensionskasse direkt und fordere eine schriftliche Auskunft über deinen aktuellen Anwartschaftsstand. Das ist dein gutes Recht nach § 4a BetrAVG.
— Bank von innen kennen – und trotzdem klug anlegen.
Zuletzt bearbeitet von Gino B. am 14. Mai 2025, 00:24 – Grund: Paragraphenangabe ergänzt
Horst-Egon
Stammuser
Beiträge: 108
Aus: ohne Angabe
Dabei seit: 2019-11-14
📅 14. Mai 2025, 01:40
#141
Ich frag mich immer bei sowas: warum kriegt man als normaler Arbeitnehmer sowas nie erklärt? Ich hab auch bAV über meinen Arbeitgeber und der hat mir damals ein Formular hingelegt mit den Worten "da musste unterschreiben, is gut für dich". Ende der Erklärung.
Das ist doch ein Systemproblem. Die Leute zahlen jahrelang ein ohne zu wissen was das ist, und wenn dann was schief läuft stehen se da wie Axel.
— Bin gerne Querulant wenn die Bankgebühren steigen
Kristina
Mitglied
Beiträge: 258
Aus: Berlin
Dabei seit: 2022-10-05
📅 24. Mai 2025, 01:40
#142
Doppeldeckerhorst schrieb:warum kriegt man als normaler Arbeitnehmer sowas nie erklärt?
Ja, das ist leider Realität. Ich mach in meinem Job als Sozialarbeiterin oft Schuldenberatung und da kommen auch immer wieder Leute die nicht mal wissen dass sie bAV haben – die taucht dann irgendwann auf dem Rentenbescheid auf und alle sind überrascht.
@AltersvorsorgeAnfänger_Axel Wenn du nicht weiterkommst: Die Verbraucherzentrale bietet Rentenberatung an, oft für 30-60 Euro die Stunde. Die können dir sagen ob deine Ansprüche unverfallbar sind und was deine konkreten Optionen sind. Kein Anwalt nötig für den ersten Schritt.
— Revolut & Co. – nicht alles glitzert was gleisst ✨
Wanda
Mitglied
Beiträge: 113
Aus: Augsburg
Dabei seit: 2022-05-11
📅 24. Mai 2025, 03:51
#143
oh man, das macht mir angst 😳 ich zahle auch über meine kleine Selbstständigkeit in eine Direktversicherung ein und dachte das wär sicher... ist das was anderes als ne Pensionskasse?
sorry für offtopic aber ich versteh das system wirklich nicht 😅
— Klein sparen, groß träumen 🌻
Finn
Stammuser
Beiträge: 782
Aus: Kiel
Dabei seit: 2021-10-11
📅 24. Mai 2025, 05:57
#144
@WochenmarktWanda Direktversicherung ist tatsächlich was anderes – das ist eine klassische Lebens- oder Rentenversicherung über den Arbeitgeber. Die sind durch die Protektor AG gesichert (das ist der Sicherungsfonds der deutschen Lebensversicherer). Nicht perfekt, aber deutlich klarer geregelt als bei Pensionskassen.
Kurz gesagt: dein Risiko ist ein anderes, tendenziell etwas überschaubarer. Aber auch da gilt: Anbieter kennen, Jahresauszüge lesen 😅
— FIRE mit 45 – oder ich versuche es zumindest.
Markus R.
Stammuser
Beiträge: 94
Aus: Koblenz
Dabei seit: 2019-12-15
📅 24. Mai 2025, 13:57
#145
Interessante Diskussion. Ich will mal den praktischen Aspekt einwerfen den alle vergessen: Was ist die Pensionskasse überhaupt noch wert?
Axel hat 4-5 Jahre eingezahlt. Mit Arbeitgeberanteil reden wir vielleicht von 8.000-15.000 Euro angespartem Kapital, je nach Beitragshöhe. Dafür lohnt sich tatsächlich rechtliche Beratung wenn nötig. Aber in vielen Fällen klärt sich das ohne Anwalt – einfach weil der Arbeitgeber seine subsidiäre Haftung kennt und nicht in die Presse will.
Ruf einfach beim Ex-Arbeitgeber an, schildere die Situation, und schau was die sagen. Oft ist das unkomplizierter als gedacht.
— Betongold rostet nicht. Manchmal aber schimmelt es.