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Krankentagegeld PKV Angestellter – sinnvoll oder Berater-Verkaufstrick?

Kategorie: Versicherungen  ·  erstellt von Viktor M.  ·  13. Jun 2025, 11:15  ·  21 Antworten · 7854 Aufrufe

Moin zusammen,

ich bin seit letztem Jahr in der PKV (AXA, Tarif MED Komfort U) und mein Versicherungsberater hat mir beim letzten Gespräch empfohlen, zusätzlich einen Krankentagegeldtarif abzuschließen. Kostet mich laut seinem Angebot ca. 28 € monatlich für 70 € Tagegeld ab dem 43. Krankheitstag.

Jetzt mal ehrlich: Mein Arbeitgeber zahlt 6 Wochen lang das volle Gehalt weiter — das ist ja gesetzlich so. Danach kommt bei GKV-Versicherten das Krankengeld von der Kasse (70% des Bruttogehalts, gedeckelt). Aber was passiert bei mir als PKV-ler? Ich hab keine gesetzliche Kasse, die mir Krankengeld zahlt. Zahlt dann gar nichts?

Mein Netto liegt bei rund 3.400 € im Monat. Ich hab einen Notgroschen von ca. 4 Monaten. Und ich frage mich: Wie realistisch ist es überhaupt, dass ich länger als 6 Wochen ausfalle? Ich bin 38, kein Vorerkrankungen, sitze den ganzen Tag vor dem Rechner.

Ich will das nicht einfach abschließen weil der Berater es empfiehlt — der verdient ja auch dran. Aber vielleicht übersehe ich da was? Was sind eure Erfahrungen oder Einschätzungen?

Brauche ich wirklich jede Versicherung? Spoiler: nein.

— Brauche ich wirklich jede Versicherung? Spoiler: nein.

Hey Viktor, gute Frage — und ja, du hast den entscheidenden Punkt selbst erkannt: Bei PKV-Versicherten zahlt niemand automatisch Krankengeld nach Woche 6. Die GKV macht das, die PKV nicht (zumindest nicht ohne separaten KTG-Tarif). Das ist der fundamentale Unterschied. 😬

Dein AG zahlt 6 Wochen, dann: Stille. Du müsstest entweder aus dem Ersparten leben oder einen KTG-Tarif haben, der einspringt. Mit 4 Monaten Notgroschen überbrückst du das zwar eine Weile, aber bei einer längeren Erkrankung (Burnout, Bandscheibenvorfall, whatever) frisst du dein Polster auf.

28 € für 70 € ab Tag 43 klingt erstmal günstig — aber check mal: Wie lange zahlt der Tarif? Bis Endalter 65? Und gibt's eine Karenzzeit-Option? Mit Beginn ab Tag 22 statt Tag 43 wäre das sinnvoller, aber halt teurer.

— Breit gestreut – nie bereut.

Die Frage lässt sich präzise beantworten: Als PKV-Versicherter ohne Krankentagegeldtarif haben Sie nach Ende der Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber keinerlei gesetzlichen Einkommensersatz. Das ist der wesentliche Unterschied zur GKV, wo der Anspruch auf Krankengeld nach § 44 SGB V greift.

Ob 70 € Tagegeld ausreichen, ist eine andere Frage. Bei 3.400 € Netto wären das rechnerisch rund 2.100 € im Monat — das deckt die Hälfte Ihres Nettoeinkommens nicht. Ich würde die Kalkulation anders ansetzen: Welche Fixkosten haben Sie monatlich? Miete, PKV-Beitrag, eventuelle Kreditraten? Das ist die relevante Zahl, nicht das Netto.

Der 4-Monats-Puffer federt ab, aber ein Burnout oder eine orthopädische Erkrankung dauert gerne 6-12 Monate. Dann wird's eng.

— Risiko ist nicht der Feind. Uninformiertheit schon.

Kurz zur Ergänzung: Der Berater empfiehlt das nicht nur, weil er Provision will — das ist tatsächlich eine echte Lücke im PKV-System. 😅 Aber 70 € Tagegeld ab Tag 43 ist meiner Meinung nach schon recht defensiv kalkuliert.

Ich hab selbst mal verglichen: Bei der Barmenia und der Hallesche gibts KTG-Tarife, wo man flexibler in der Karenzzeit ist. Ab Tag 22 zahlen lassen kostet halt mehr, aber dann bist du auch nach 3 Wochen Krankheit schon abgesichert, nicht erst nach 6.

Und Viktor: IT-Techniker, 38 — Burnout ist leider kein abstraktes Konzept in der Branche. Frag mal rum. 😬

— Bank von innen kennen – und trotzdem klug anlegen.

ok warte ich check das grad nicht ganz 🤔 PKV zahlt also NICHT automatisch wenn man krank ist und kein gehalt kriegt?? ich dachte PKV = premium = alles besser?? das ist ja eigentlcih krass unfair lol

@Versicherungsmuffel_Viktor du hast echt recht dass man nicht einfach alles abschließen soll was der berater sagt aber das klingt hier halt wirklich nach einer echten lücke nicht nach nem verkaufstrick oder?

— broke but learning 📈

Kurze Präzisierung für alle, die mitlesen:

Die PKV ist eine Krankheitskostenversicherung — sie übernimmt Arzt- und Krankenhauskosten. Sie ersetzt kein Einkommen. Das macht ausschließlich ein separater Krankentagegeldtarif, den man als Zusatzbaustein abschließt (kann bei der PKV selbst sein oder bei einem anderen Anbieter).

GKV-Versicherte haben das automatisch integriert (Krankengeld nach § 44 SGB V, ab der 7. Woche, max. 78 Wochen). PKV-Versicherte müssen das aktiv absichern. Das ist kein Mythos und kein Berater-Trick — das ist einfach die Rechtslage.

Ob der konkrete Tarif von AXA sinnvoll ist oder ob ein anderer Anbieter besser passt, ist eine andere Diskussion.

— Sachlich, fair, auf den Punkt.

ich find das echt so ein klassisches PKV-Ding das man nicht auf dem Schirm hat wenn man wechselt 😤 alle reden immer von "günstigeren Beiträgen" und "Chefarztbehandlung" aber die Fallstricke kommen später

@BudgetBärBenni ja genau so läuft das. PKV = du zahlst für Leistungen wenn du krank bist, nicht fürs Einkommen wenn du ausfällst. zwei völlig verschiedene Dinge. Hab ich auch erst beim dritten Erklären kapiert lmao

Viktor ich würd das nicht beim selben Berater abschließen der dir das empfohlen hat. Lieg mal selbst Tarife bei check24 oder einem unabhängigen Makler gegen. Die Provision ist nämlich nicht ohne. 👀

— Bitcoin ist kein Sparplan, Leute. Wirklich nicht.

Ich mach das mal etwas konkreter, weil hier viel "kommt drauf an" im Raum steht:

Dein Szenario ohne KTG-Tarif:
Woche 1-6: Arbeitgeber zahlt Gehalt → alles gut.
Ab Woche 7: Nichts. Nada. Du greifst in den Notgroschen.
Bei 4 Monaten Puffer (ca. 13.600 €) hast du vielleicht 5-6 Monate Luft, je nach Fixkosten. Danach Existenzkrise.

Mit KTG ab Tag 43:
70 € × 30 = 2.100 € im Monat. Das ist nicht viel, aber zusammen mit deinem Puffer hält dich das deutlich länger über Wasser.

Mein Take: Bei 28 € monatlich ist das Preis-Risiko-Verhältnis eigentlich okay. Die Frage ist eher, ob 70 € Tagegeld reicht oder ob du 100 € nehmen solltest. Rechne deine echten Fixkosten durch — Miete, PKV-Beitrag (der läuft ja auch im Krankenstand weiter!), Kredite. Dann weißt du, was du brauchst. 🎯

— VWCE and chill. 🌍
Zuletzt bearbeitet von Henning K. am 30. Jun 2025, 16:37 – Grund: Rechenbeispiel korrigiert (Tage/Monat)

Henning hat das gut aufgedröselt. Ich ergänz noch: Den PKV-Beitrag vergessen viele. Der läuft auch wenn du krank bist weiter — und der ist bei PKV gerne mal 400-600 € im Monat. Das frisst deinen Puffer mit.

Ich bin GKV, aber mein Kumpel ist PKV-Angestellter und hatte letztes Jahr einen Bandscheibenvorfall — war 4 Monate raus. Hat ihn fast 8.000 € Erspartes gekostet weil er keinen KTG-Tarif hatte. Danach hat er sofort einen abgeschlossen, natürlich mit Ausschluss der Wirbelsäule dann. Bitter.

— Familie erst, Depot danach – aber beides geht!

Okay, das mit dem PKV-Beitrag der weiterläuft hatte ich tatsächlich nicht auf dem Schirm. Danke @Haushaltsheld_Heiko — das ist ein gutes Argument. Mein AXA-Beitrag liegt aktuell bei 480 € monatlich. Die würden im Krankheitsfall also weiterhin abgehen, richtig? Das ändert die Rechnung schon.

@ETF-Henning deine Aufstellung hilft. Meine Fixkosten liegen bei ca. 2.200 € (Miete 950 €, PKV 480 €, Rest Nebenkosten/Handy/etc.). Mit 70 € Tagegeld = 2.100 € wäre ich ungefähr bei null, müsste nichts aus dem Puffer nehmen. Das ergibt tatsächlich Sinn.

Bleibt die Frage: Beim selben Berater oder woanders? @KryptoKritikerin_Kathi hat da einen Punkt.

— Brauche ich wirklich jede Versicherung? Spoiler: nein.

Ich bin zwar GKV und nicht direkt betroffen, aber ich find das Thema wichtig genug um kurz was dazu zu sagen:

Schau dir auf jeden Fall mal einen unabhängigen Versicherungsmakler an, nicht den Ausschließlichkeitsvertreter der AXA. Der Unterschied ist: Ein Makler ist rechtlich dein Interessenvertreter, ein Vertreter ist Interessenvertreter der Versicherung. Das klingt abstrakt, macht in der Praxis aber einen Unterschied wenn's mal zum Streitfall kommt. 💪

Für PKV-Sachen empfehlen hier viele im Forum die Stiftung Warentest-Vergleiche oder einen Makler mit BAFIN-Zulassung zu suchen.

— Wenig Gehalt, viel Disziplin. Geht auch! 💪

Zur konkreten Tarifselektion noch ein paar Punkte, die oft übersehen werden:

  1. Wartezeit: Die meisten KTG-Tarife haben eine Wartezeit von 3 Monaten. Wer heute abschließt, ist in den ersten 90 Tagen nicht versichert (Ausnahme: Unfall).
  2. Nachversicherungsgarantie: Achten Sie darauf, ob Sie bei Gehaltserhöhung das Tagegeld ohne erneute Gesundheitsprüfung erhöhen können.
  3. Dynamik: Manche Tarife passen das Tagegeld automatisch an die Inflation an, andere nicht. Über 20 Jahre ein relevanter Unterschied.
  4. Berufsunfähigkeit vs. KTG: Bei längerer Erkrankung (über 6 Monate) greift irgendwann eher eine BU-Versicherung. KTG und BU sind komplementär, nicht substituierbar.

Ich würde beim aktuellen Markt Hallesche, Barmenia und SDK vergleichen. AXA ist nicht schlecht, aber nicht in allen Tarifen führend.

— Zinseszins ist kein Mythos. Rechnet selbst nach.

Hey Viktor, Stuttgarter PKV-ler hier — ich hab den AXA-Tarif selbst und kenn das Thema. 😅

Ich würd dir sagen: Mach's, aber nicht beim Berater. Ruf direkt bei AXA an oder schau bei der SDK (Süddeutsche Krankenversicherung) — die haben solide KTG-Tarife und sind im Süden gut aufgestellt. Oder über einen Makler wie schon gesagt.

Was ich selbst gemacht hab: KTG ab Tag 22 (nicht ab Tag 43) mit 80 € Tagegeld. Kostet mich 41 € monatlich. Schläft sich besser. Der Knackpunkt war für mich psychologisch — ich will gar nicht in die Situation kommen, bei Krankheit auch noch Finanzstress zu haben.

— PKV: Erst der Traum, dann das Erwachen.

Ich versteh das ganze PKV-Geraffel ehrlichgesagt nicht so ganz, ich bin ja GKV. Aber ich hab das mit dem Krankengeld selbst erlebt — war mal 3 Monate raus wegen Knie-OP. Da hat die GKV ab Woche 7 gezahlt und ich war froh drüber, auch wenn es net 100% war.

Wenn ich PKV wär und das einfach wegfällt — nee, das wär mir zu heiß. 28 Euro im Monat für die Absichreung klingt nach nem fairen Deal, ehrlich gesagt. Hab ich schon mehr für weniger ausgegeben.

— Dauerauftrag läuft – Kopf frei für wichtigeres.

warte kurze frage an die experten hier: wenn man als PKV-ler krank wird und den KTG-tarif hat — muss man dann selbst beweise einreichen oder zahlt die versicherung einfach so? ich frag weil ich gehört hab dass versicherugnen da gerne kneifen 🙃

@Versicherungsmuffel_Viktor sorry für OT aber find das relevant für die entscheidung ob sich das lohnt wenn die dann im ernstfall rumzicken

— Kleiner Lohn, große Ziele 💪
KassensturzKarla schrieb:muss man dann selbst beweise einreichen oder zahlt die versicherung einfach so?

Zur Klarstellung: Der Versicherte muss die Arbeitsunfähigkeit durch ein Attest nachweisen — in der Regel die AU-Bescheinigung vom Arzt. Die Versicherung zahlt dann rückwirkend ab dem vereinbarten Karenztag. Es gibt keine automatische Zahlung.

Leistungsverweigerungen kommen vor, sind aber eher die Ausnahme als die Regel wenn die Diagnose eindeutig ist. Problematisch wird es bei psychischen Erkrankungen oder wenn Vorerkrankungen im Raum stehen, die bei Vertragsabschluss nicht angegeben wurden. Deshalb ist die wahrheitsgemäße Gesundheitserklärung beim Abschluss absolut kritisch — wer da schummelt, riskiert Leistungsfreiheit im Schadensfall.

— Risiko ist nicht der Feind. Uninformiertheit schon.

Schöner Thread, ich fasse kurz zusammen was hier erarbeitet wurde — für alle die später über die Suche landen:

  • PKV-Angestellte haben nach 6 Wochen Lohnfortzahlung keinen gesetzlichen Einkommensersatz — im Gegensatz zu GKV-Versicherten (Krankengeld).
  • Ein Krankentagegeldtarif schließt diese Lücke. Er ist nicht in der PKV enthalten, sondern ein separater Baustein.
  • Relevante Vergleichsanbieter: AXA, Hallesche, Barmenia, SDK, Signal Iduna — Vergleich lohnt sich.
  • Auf Karenzzeit, Wartezeit, Nachversicherungsgarantie und Laufzeit achten.
  • Unabhängiger Makler > Ausschließlichkeitsvertreter.

Einer der besseren praxisnahen Threads zum Thema hier im Forum. 👍

— Bitte Forenregeln beachten – danke! 🙏

ich als student versteh grad nicht warum man überhaupt PKV nimmt wenn dann so viele extra kosten dazukommen lmao 😅 erstmal die hohen beiträge, dann KTG dazu, dann noch BU... wann hört das auf

aber gut, andere einkommenssituation als ich, das ist mir klar. für einen IT-techniker mit ordentlichem gehalt macht das halt alles mehr sinn als für mich mit bafög 😂

— Geld teilen in der WG ist Sport 🏅

@WG_Kassenführer_Wim ich dachte auch erstmal so, aber wenn man es durchrechnet ist PKV für Gutverdiener ohne Familie oft immer noch günstiger als GKV 🤔 hab ich zumindest so gelernt. Viktor zahlt ja 480€ PKV, in der GKV wär er bei dem Gehalt bei ~750€+ Beitragsanteil AN. Macht also trotzdem Sinn

das KTG on top bringt ihn dann auf ~508€ — immer noch günstiger 🌱

— Finanzwissen nachholen – lieber jetzt als nie 🌱
Zuletzt bearbeitet von Finja am 06. Jul 2025, 08:58 – Grund: Zahlenkorrektur (GKV-Beitrag angepasst)

ich bin zwar GKV und kenn das PKV-Kram net so genau aber ich sag mal so: wenn dein berater was empfielt UND alle hier sagen das gleiche, dann ist das wohl kein zufall oder? 😄

mach den tarif viktor. 28 euro im moant is weniger als mein netflix abo und ich gucke da sowieso nur müll

@Girokonto_Gabi_Gera hahaha das ist tatsächlich das überzeugendste Argument des ganzen Threads 😂 "kostet weniger als Netflix"

Viktor, ich würd noch kurz anmerken: Schau ob dein Arbeitgeber eventuell einen Teil des KTG-Beitrags übernimmt. Manche AGs machen das im Rahmen von betrieblichen Zusatzleistungen, besonders in der IT. Ist nicht die Regel, aber fragen kostet nix. Bei meiner alten Firma war das tatsächlich so geregelt. 💡

— Breit gestreut – nie bereut.

Okay, Fazit meinerseits nach diesem Thread: Ich schließ den KTG-Tarif ab, aber nicht über den Berater. Werde mich an einen unabhängigen Makler wenden und parallel Hallesche und SDK mit dem AXA-Angebot vergleichen. Tendenz zu 80 € Tagegeld ab Tag 22 statt den ursprünglich angebotenen 70 € ab Tag 43 — macht bei meinen Fixkosten mehr Sinn.

@DepotDiversifizierer_Dani den AG-Tipp nehm ich mit, ist ne gute Idee. IT-Unternehmen sind da manchmal kulanter als man denkt.

Danke an alle — besonders @RisikostreuerRobert und @ETF-Henning für die konkreten Zahlen. Das hat mehr gebracht als jedes Beratungsgespräch bisher.

— Brauche ich wirklich jede Versicherung? Spoiler: nein.
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