Hinweis: Aufgrund hoher Spam-Aufkommen ist die Registrierung neuer Mitglieder vorübergehend pausiert. Bestehende Threads bleiben weiterhin lesbar.

Kinder Geld erklären: Taschengeld, Spardose und was wirklich funktioniert

Kategorie: Off-Topic  ·  erstellt von Tanja  ·  19. Jun 2024, 13:40  ·  18 Antworten · 2967 Aufrufe

Hallo zusammen 😊

Ich hab zwei Kinder, 7 und 9 Jahre alt, und merke gerade dass das Thema Geld bei uns irgendwie zu kurz kommt. Die Kleine fragt im Supermarkt einfach nach allem und der Große denkt, Geld kommt aus dem Automaten. Klassisch halt.

Wir machen seit ein paar Monaten Taschengeld – 2€ pro Woche für die Siebenjährige, 4€ für den Neunjährigen. Die Empfehlung mit dem Alter in Euro hab ich irgendwo gelesen. Aber ich frag mich ob das wirklich reicht als Konzept, oder ob da mehr dahinterstecken sollte.

Was ich mir konkret vorstelle: dass sie verstehen, dass Geld begrenzt ist, dass man für Dinge sparen muss, und dass es eine Verbindung gibt zwischen Arbeit und Geld – ohne dass ich sie gleich als Haushaltshilfen einspanne 😄

Habt ihr konkrete Methoden die bei euch funktioniert haben? Spardosen mit Unterteilung (Ausgeben/Sparen/Verschenken hab ich gesehen)? Apps für Kinder? Irgendwelche Bücher oder Spiele? Oder einfach Alltagssituationen nutzen?

Ich bin für alles offen. Hauptsache es ist nicht so trocken dass sie direkt abschalten 😅

Auch mit 25h/Woche lässt sich was aufbauen.

— Auch mit 25h/Woche lässt sich was aufbauen.

Guten Tag Tanja,

das Taschengeld-Konzept nach Lebensjahr in Euro pro Woche ist tatsächlich eine gängige Faustregel, die auch das Deutsche Jugendinstitut in ähnlicher Form empfiehlt. Für den Einstieg absolut solide.

Was bei uns damals gut funktioniert hat: Ein einfaches Drei-Gläser-System. Kein spezielles Produkt, einfach drei alte Marmeladengläser mit Aufklebern: Ausgeben, Sparen, Schenken. Das Geld wird bei jeder Auszahlung sofort aufgeteilt – z.B. 50% Ausgeben, 40% Sparen, 10% Schenken. Das macht das Abstrakte sehr greifbar.

Der entscheidende Punkt: Eltern müssen konsequent bleiben. Wenn das Ausgaben-Glas leer ist, gibt es kein Nachschießen. Das klingt hart, ist aber die eigentliche Lektion. Ein Kind das einmal auf das gewünschte Spielzeug verzichten musste weil das Geld weg war, vergisst das nicht so schnell.

— Bausparen ist nicht tot. Nur missverstanden.

Ich sag mal so: Bei uns damals gabs keine Spardosen mit drei Fächern oder Apps. Trotzdem haben meine Kinder alle irgendwie den Dreh rausgekriegt mit Geld. Der Schlüssel war: die durften mit zum Einkaufen und haben gesehen wie ich das Budget eingeteilt hab. Manchmal hab ich sogar laut gezählt was im Portemonnaie ist.

Das klingt altmodisch, aber Kinder lernen nunmal durchs Zuschauen. Wenn die Eltern selbst keinen Plan haben, helfen auch drei Gläser nix.

Was ich heute meinen Enkeln zeige: Die Kontoauszüge (die einfachen Buchungen, nicht die komlizierten). Dass Strom Geld kostet, Gas Geld kostet. Das macht mehr Eindruck als jedes Spiel.

— 40 Jahre gearbeitet, jetzt wird das Geld für mich arbeiten.

hey Tanja, ich bin Erzieher also ich kenn das aus der anderen Perspektive 😄

Was ich im Kindergarten und auch bei Schulkindern immer wieder sehe: Abstrakte Konzepte landen einfach nicht. Aber sobald es um echte Wünsche geht – ein bestimmtes Lego-Set, eine Süßigkeit – dann sind die Kids plötzlich hochmotiviert zu rechnen.

Tipp: Mach mit dem Neunjährigen mal einen "Sparplan" für irgendwas was er sich wünscht. Zusammen ausrechnen wie viele Wochen das dauert. Das ist echter Matheunterricht den sie nicht vergessen. Bei 4€ pro Woche und einem 20€-Wunsch sind das 5 Wochen – das können Grundschulkinder super nachvollziehen.

Für Apps: Rooster Money oder iallowance hab ich von Eltern gehört, aber selber nicht getestet. Klingt mir ehrlich gesagt fast zu digital für Grundschulkinder, aber wer weiß 🤷

Oh, das ist mein Lieblingsthema! 😊 Ich hab auch zwei Kinder (8 und 11) und wir haben da einiges ausprobiert.

Das Drei-Gläser-System wie Benedikt beschreibt, haben wir auch – funktioniert super. Aber was wirklich den Unterschied gemacht hat: Wir haben angefangen, beim Einkaufen laut zu vergleichen. "Das Markenjoghurt kostet 1,89€, das No-Name 0,79€ – was nehmen wir?" Die Kinder lieben es plötzlich, den günstigeren Preis zu finden. Fast ein Spiel.

Was ich nicht empfehle: Taschengeld an Haushaltsaufgaben knüpfen. Das klingt erstmal logisch (Arbeit = Geld), aber dann streiken sie bei normalen Aufgaben weil "dafür kriegich ja nix". Taschengeld sollte bedingungslos sein, find ich. Sonderverdienste für außergewöhnliche Jobs (Garten umgraben etc.) können zusätzlich kommen.

Buch-Tipp: "Der Kaufmann von Venedig"? Nein, zu früh 😄 Aber "Rico, Oskar und die Tieferschatten" hat meiner Tochter irgendwie geholfen zu verstehen dass Geld knapp sein kann. Etwas um die Ecke gedacht, aber es hat funktioniert.

— Finanzplanung mit Kinderbonus ist ein Sport für sich.

40 Jahre im Bankwesen und ich sage: Das Wichtigste was man Kindern beibringen kann ist nicht wie man spart, sondern warum. Kinder die verstehen dass Geld Freiheit bedeutet – die eigene Entscheidungen zu treffen – gehen anders damit um als Kinder die nur "spare, weil man spart".

Ich hab meinem Sohn damals erklärt: Wer Geld hat, muss nicht jeden Job annehmen. Das hat ihn mehr motiviert als jede Spardose.

Zum Thema Apps: Ich bin skeptisch. Das abstrahiert Geld noch weiter. Scheine und Münzen anfassen, zählen, im Portemonnaie haben – das hat einen anderen Effekt als Zahlen auf einem Bildschirm. Zumindest für Grundschulkinder.

— 40 Jahre Bank, trotzdem kein Millionär. Man lernt dazu.

@Maklerschreck_Manfred hat recht mit den Scheinen und Münzen. Mein Enkelsohn (8) weiß genau wie viel 50 Cent sind weil er sie schon oft gezählt hat. Aber er hat keine Ahnung was auf dem Handy seiner Eltern passiert wenn die bezahlen. Das ist doch das Problem mit der digitalen Welt.

Ich wäre vorsichtig mit Apps für Kinder unter 10. Erst die Grundlagen, dann die Technik.

— 40 Jahre gearbeitet, jetzt wird das Geld für mich arbeiten.

okay ich bin zwar keine Mutter aber ich WÜNSCHTE meine Eltern hätten mir das früher erklärt 😭💸

bei mir wars so: null finanzielles Bewusstsein bis ich mit 18 ausgezogen bin und plötzlich nicht wusste was eine Überweisung ist lol. also das was ihr hier macht ist schon mal 1000x besser als nix

das mit den drei Gläsern find ich so cute aber auch so genial gleichzeitig?? hätte ich das als Kind gehabt würde ich heute nicht jeden Monat kurz vor dem 28. auf mein Konto starren 😂

— sparen ist das neue ausgeben lol 💸✌️

Schöner Thread. Ich ergänze mal die etwas nerdige Perspektive. 🙂

Das Drei-Gläser-System ist gut, aber man kann es eine Stufe weiterdenken: Ab ca. 10-12 Jahren kann man den "Spar-Teil" nicht einfach ins Sparschwein stecken, sondern auf ein echtes Konto. Die Deutsche Bank und Sparkasse haben Kinderkonten (Knax, Yomo, etc.) – die sind kostenlos und haben oft spielerische Apps dabei die das Abstrakte etwas greifbarer machen.

Noch weiter gedacht: Ich hab mit meinem Neffen (11) mal gemeinsam 10€ in einen ETF-Sparplan gesteckt (über mein Depot, er hat das begleitet) und ihm gezeigt wie sich der Wert verändert. Einmal im Monat schauen wir rein. Er fragt mich jetzt freiwillig nach Börsennews. Das Zinseszins-Prinzip hab ich ihm an einem einfachen Beispiel erklärt: 100€ die jedes Jahr 7% wachsen, sind nach 10 Jahren fast 200€. Das hat geklickt.

Für Grundschulkinder würde ich aber erstmal bei physischem Geld bleiben, Gerhard und Manfred haben da nicht Unrecht.

— Compound Interest is the eighth wonder of the world. – A. Einstein (angeblich)
Zuletzt bearbeitet von Thaddäus B. am 18. Jul 2024, 15:03 – Grund: Link zu Knax-Seite wieder entfernt, war veraltet

Wow, so viele tolle Antworten, danke! 😊

Das mit den Marmeladengläsern klingt wirklich simpel und gut. Ich glaub das probieren wir als erstes aus. Und @FamilienFinanzFranka – der Punkt mit den Haushaltsaufgaben ist wichtig, das hab ich auch schon irgendwo gelesen aber gut nochmal zu hören. Ich wollte das eigentlich koppeln, bin jetzt aber überzeugt dass das eine schlechte Idee wäre.

@Teilzeitsparer_Tobi – der Sparplan für einen konkreten Wunsch ist genial. Mein Großer will gerade unbedingt ein bestimmtes Lego-Technik-Set für 45€. Das wäre ja fast 12 Wochen sparen wenn er alles reinlegt. Gut, wir teilen auf, also eher 5-6 Wochen aus dem Spar-Anteil. Ich machs mal mit ihm zusammen auf Papier. 📝

Die App-Frage ist noch offen für mich – ich schau mir Rooster Money mal an auch wenn ich die Münzen-Argumentation total verstehe.

— Auch mit 25h/Woche lässt sich was aufbauen.

Gestatten Sie mir einen etwas anderen Blickwinkel. Ich habe drei Kinder großgezogen, heute alle finanziell solide aufgestellt, und wir hatten nie ein System. Was wir hatten: Offene Gespräche über Geld am Küchentisch. Wir haben nicht verheimlicht was Dinge kosten. Die Urlaubsplanung haben wir gemeinsam gemacht – mit echtem Budget. Die Kinder wussten dass ein Urlaub am Meer 800 Mark kostet und dass dafür an anderer Stelle verzichtet wird.

Ich halte die heutige Tendenz zur Systematisierung (Gläser, Apps, Punkte) für einen Irrweg wenn sie nicht von echten Gesprächen begleitet wird. Das System ist nicht die Lektion. Die Lektion ist der Umgang mit knappen Ressourcen im echten Leben.

@PensionärPetershofen Respekt, aber 800 Mark-Urlaub klingt nach einer Welt die es nicht mehr gibt 😄 Ich glaub kein Kind heute kapiert was eine Mark ist.

Ich hab keine Kinder, also nehmt das mit Vorsicht – aber mein Bruder hat mit seinen Kids (9 und 12) Folgendes gemacht: Jeder bekommt beim Familienurlaub ein eigenes "Urlaubs-Budget" von z.B. 30€ für Souvenirs, Eis, Wasserpark-Extras. Was übrig bleibt, dürfen sie behalten. Der Kleine hat am Ende 18€ übrig gehabt und war stolzer darauf als auf das Spielzeug das er gekauft hätte. Das fand ich ziemlich clever. 🎯

— Cashback, Meilen, Lounge – Kreditkarten richtig nutzen.

Kurzer steuerlicher Hinweis, weil das hier noch niemand erwähnt hat:

Wenn Sie für Ihre Kinder ein Depot oder Tagesgeldkonto eröffnen und dort Erträge anfallen, haben Kinder denselben Sparerpauschbetrag wie Erwachsene – aktuell 1.000 Euro pro Jahr (seit 2023). Bei kleinen Beträgen fällt ohnehin keine Steuer an, aber es schadet nicht, einen Freistellungsauftrag einzurichten. Das vergessen viele Eltern.

Zum eigentlichen Thema: Finanzielles Grundverständnis ist in der deutschen Schule leider kaum curricular verankert. Was Eltern zu Hause vermitteln, ist oft das Einzige was bleibt.

— Die Abgeltungssteuer ist nicht das Ende – nur fast.

Ich finde den Aspekt der Fixkosten interessant – den erklärt kaum jemand Kindern. Mein Sohn (10) hat mal gefragt warum wir nicht einfach mehr Geld ausgeben. Ich hab ihm dann unsere monatlichen Fixkosten aufgelistet: Miete, Strom, Versicherungen, Lebensmittel. Er war ziemlich still danach.

Nicht um ihn zu belasten, aber er hat seitdem viel bewusster mit Licht anlassen und langen Duschzeiten umgegangen. Manchmal sind die konkreten Zahlen aus dem echten Leben wirksamer als jedes Modell.

— Nebenkostenabrechnung prüfen – fast jede zweite enthält Fehler.

In Österreich gibt es übrigens die Initiative "Finanzführerschein" für Schulen – sowas in der Art wäre für Deutschland auch schön. Aber das ist ein anderes Thema. 😅

Was ich ergänzen wollte: Wir haben mit unserer Tochter (jetzt 13, aber angefangen mit 8) ein kleines Haushaltsbuch geführt – ganz simpel, ein Heft mit zwei Spalten: Einnahmen und Ausgaben. Jeden Sonntag haben wir 5 Minuten zusammen reingeschaut. Das hat eine Routine geschaffen die bis heute hält. Sie führt jetzt ihr eigenes digitales Haushaltsbuch mit einer App (Money Manager).

Der Übergang vom physischen Heft zur App war dann irgendwann ganz natürlich – weil sie das Prinzip schon verstanden hatte.

— Österreich tickt bei Finanzen etwas anders – ich erklärs!
Zuletzt bearbeitet von Gabriele W. am 12. Jun 2025, 11:57 – Grund: App-Namen korrigiert

Zum Thema Kinderkonto kurze Ergänzung zu @Abgeltungssteuer_August: Bei der Comdirect (jetzt Commerzbank) und der DKB gibt es Jugendkonten die wirklich gut gemacht sind. DKB ab 14 Jahren, Commerzbank hat das "Junges Konto" ab 7 Jahren glaube ich. Kein Dispo, keine versteckten Gebühren.

Für Grundschulkinder würde ich aber erstmal bei der Hausbank oder Sparkasse schauen – die Knax-Konten der Sparkasse sind pädagogisch begleitet und die Kinder kriegen ein kleines Heft mit Stempeln etc. Das ist für die Altersgruppe oft motivierender als ein schickes Online-Banking-Interface.

— Quellensteuer zurückholen – ja, das geht.

Toller Thread, kurze inhaltliche Ergänzung von mir: Die empfohlenen Taschengeld-Beträge werden regelmäßig vom Deutschen Jugendinstitut und der Verbraucherzentrale aktualisiert. Stand 2024 gelten grob folgende Richtwerte (wöchentlich): 6-7 Jahre: 1,50-2€ / 8-9 Jahre: 2-3€ / 10-11 Jahre: 3-4€. Tanja, du liegst also gut im Rahmen.

Kleiner Hinweis für alle: Bitte keine konkreten Produktlinks posten ohne Hinweis ob Affiliate oder nicht – Forenregel §4b. Danke. 👍

— Bitte Quellenangaben bei Zahlen. Danke. // Mod-Team

KreditkartenKönig_Karsten schrieb:Jeder bekommt beim Familienurlaub ein eigenes "Urlaubs-Budget"... Was übrig bleibt, dürfen sie behalten.

Das machen wir genauso! 🙌 Funktioniert wirklich gut. Mein Sohn hat letzten Sommer tatsächlich auf das überteuerte Strandeis verzichtet und dafür zuhause was Schöneres gekauft. Eigeninitiative, kein Eltern-Input. Genau das ist der Moment wo man merkt: es hat geklickt.

Was ich noch ergänzen wollte zum Thema Bücher: "Das Beste, was Eltern für ihre Kinder tun können" von Beth Kobliner ist ganz okay, aber auf USA ausgerichtet. Für deutschsprachige Leser finde ich "Schule des Geldes" von Bodo Schäfer (Kinder-Version) trotz des etwas reißerischen Autors gar nicht schlecht als Einstieg für Kinder ab 8-9.

— Finanzplanung mit Kinderbonus ist ein Sport für sich.

Wunderbarer Thread, danke an alle Beteiligten. Ich pinne den mal im Bereich "Finanzen & Familie" an – da wird er sicher noch einigen Eltern helfen.

Eigene Anmerkung: Als Bankkauffrau kann ich bestätigen, dass das Thema Finanzbildung bei Kindern in der Beratungspraxis massiv unterschätzt wird. Wir hatten regelmäßig junge Erwachsene am Schalter die nicht wussten was ein Dauerauftrag ist. Das fängt zu Hause an – oder eben nicht.

@Teilzeit_Tanja_Invest: Viel Erfolg mit deinen Zweien. Die Tatsache dass du dir Gedanken machst ist schon die halbe Miete. ✅

— Bitte Forenregeln beachten. Danke für konstruktive Beiträge.
Du möchtest auf diesen Thread antworten? Die Registrierung neuer Mitglieder ist derzeit pausiert. Zurück zur Übersicht.