Sabrina L.
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📅 02. Jun 2025, 11:54 Themenersteller
#1033
Hallo zusammen 👋
Ich plane gerade, mein Portfolio etwas krisenfester zu machen und möchte ca. 10% in Gold halten. Mein restliches Portfolio ist hauptsächlich MSCI World + etwas EM, also klassisch passiv.
Jetzt stehe ich vor der Frage: Nehme ich einen Gold-ETC (z.B. Xetra-Gold oder EUWAX Gold II) oder kaufe ich einfach physische Goldmünzen/-barren? Der ETC wäre natürlich deutlich bequemer – einfach über mein Depot bei der DKB kaufen, fertig. Aber ich habe irgendwo gelesen, dass im echten Krisenfall ein ETC vielleicht nicht das Gleiche ist wie echtes Gold in der Hand.
Mein konkretes Portfolio hat aktuell einen Wert von ca. 85.000 €, also würden die 10% ungefähr 8.500 € sein. Das ist jetzt nicht riesig, aber auch kein Kleingeld.
Meine offenen Fragen:
- Ist der physische Goldlieferanspruch bei Xetra-Gold oder EUWAX Gold II wirklich im Krisenfall durchsetzbar?
- Wie sieht das steuerlich aus – ETC vs. physisches Gold?
- Wenn physisch: Wo kaufen, wie lagern?
Ich bin keine Goldbuggerin, aber ein bisschen Absicherung scheint mir sinnvoll. Was meint ihr? 🙂
— Eigenheim 2026 – der Plan steht!
Sebastian R.
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📅 03. Jun 2025, 00:54
#1034
Ich fange mal mit dem Steuerlichen an, weil das oft der entscheidende Punkt ist und gern vergessen wird.
Gold-ETC (physisch hinterlegt, wie Xetra-Gold): Diese Produkte werden steuerlich wie eine Direktanlage in Gold behandelt – also nicht wie ein Investmentfonds. Das bedeutet: Gewinne nach einer Haltefrist von 12 Monaten sind steuerfrei gemäß § 23 EStG. Das gilt für Xetra-Gold und EUWAX Gold II, wurde durch ein BMF-Schreiben von 2020 klargestellt. Vor Ablauf der Jahresfrist fällt hingegen Ihr persönlicher Einkommensteuersatz an – kein Abgeltungssteuersatz.
Physisches Gold (Münzen, Barren): Gleiches Prinzip – nach 12 Monaten steuerfrei. Beim Kauf gilt: Barren und bestimmte Anlagemünzen (z.B. Krügerrand, Maple Leaf) sind mehrwertsteuerfrei. Silbermünzen hingegen nicht, das wird oft verwechselt.
Steuerlich sind beide Varianten also nahezu identisch, wenn man die Jahresfrist einhält. Der Unterschied liegt woanders – Lagerung, Liquidität, Gegenparteirisiko.
— § 20 EStG ist kein Fremdwort.
Dieter K.
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📅 23. Jun 2025, 00:54
#1035
Ich hab beides. Paar Unzen Krügerrand im Tresor zuhause und Xetra-Gold im Depot. Ehrlich gesagt schlaf ich mit dem physichen besser, auch wenns irrational ist.
Der Tresor hat mich damals 180 Euro gekostet beim Hornbach, in die Wand gedübelt, fertig. Für 8.500 Euro würd ich vielleicht die Hälfte physisch machen und die andere Hälfte als ETC – dann hast du das Beste aus beiden Welten und musst nicht alles in die Wohnung schleppen.
— Dauerauftrag läuft – Kopf frei für wichtigeres.
Sigurd P.
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📅 23. Jun 2025, 05:54
#1036
Also ich sag's mal direkt: Wer glaubt, er kann im echten Systemkollaps seinen Xetra-Gold-ETC einlösen, der glaubt auch noch an den Weihnachtsmann. Wenn die Deutsche Börse dicht macht oder die Bank pleite geht – viel Spaß beim "physischen Auslieferungsanspruch".
Ich bin da old school: echtes Gold, eigene Hände, fertig. Keine Gegenpartei, kein Emittentenrisiko. Klar, man muss es lagern, aber das ist nun wirklich kein Hexenwerk.
— Vertrau keinem Banker, der dir was verkaufen will.
Kerstin W.
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📅 23. Jun 2025, 14:23
#1037
Ich möchte kurz bei Sigurds Punkt einhaken, weil er zwar dramatisch formuliert ist, aber einen realen Kern hat.
Bei Xetra-Gold liegt das Gold tatsächlich als Sondervermögen bei der Clearstream Banking AG. Es ist also bilanziell getrennt vom Emittenten (Deutsche Börse Commodities GmbH). Im Insolvenzfall des Emittenten ist das Gold theoretisch geschützt. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu einem unbesicherten Zertifikat.
Aber: Sigurd hat insofern recht, dass bei einem wirklich extremen Szenario (Handelsaussetzung, Systemkrise etc.) die praktische Durchsetzbarkeit schwierig werden könnte. Das ist kein konstruiertes Risiko, das sollte man sich bewusst machen.
Für ein normales Krisenszenario – Inflation, Währungsturbulenzen – reicht ein seriöser ETC aber völlig aus. Man muss nicht von Apokalypse-Szenarien ausgehen.
— Ordnung im Kopf beginnt mit Ordnung im Kontoauszug.
Sepp K.
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📅 23. Jun 2025, 20:36
#1038
Mei, ich hab mir letztes Jahr 5 Gramm Goldbarren beim Degussa-Laden in München gekauft, einfach so zum Anfassen. War irgendwie schee 😄
Aber im Ernst: für 8.500 Euro würd ich mir keinen Kopf machen wegen Tresor und Lagerung. Paar Münzen zu Hause, Rest als ETC, passt. Wenn das Portfolio mal auf 200k geht, kann man immer noch umdenken.
Und @SkeptischerSigurd: wenn der Euro wirklich komplett abrauscht, dann nutzts dir dein Goldbarren auch nix wenn du nix zu essen hast. Aber gut, das ist ne andere Diskusion 😅
— Mia san sparsam – a bissl zumindest 😅
Markus R.
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📅 24. Jun 2025, 00:04
#1039
Ich sehe das pragmatisch. Ich halte selbst einen kleinen Goldanteil, aber primär als psychologischen Anker – nicht weil ich wirklich glaube, dass Gold mich rettet wenn alles brennt.
Für deine Situation, Sabrina: ETC ist vollkommen in Ordnung. Xetra-Gold und EUWAX Gold II sind beide physisch hinterlegt, liquide, und du sparst dir Spread-Kosten beim Kauf (beim Händler zahlst du 2-5% über Spot, die du erst mal wieder reinholen musst).
Der Auslieferungsanspruch bei Xetra-Gold ist übrigens real – du kannst tatsächlich physisches Gold anfordern, aber erst ab 100g aufwärts und mit Kosten. Das macht für deine Größenordnung eh keinen Sinn. 😐
— Betongold rostet nicht. Manchmal aber schimmelt es.
Zuletzt bearbeitet von Markus R. am 24. Jun 2025, 01:27 – Grund: Mindestmenge Auslieferung korrigiert
Hilde aus Freiburg
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📅 24. Jun 2025, 04:04
#1040
Ich hab mich vor einem Jahr auch genau mit dieser Frage beschäftigt und bin letztlich bei einem Mix gelandet: 60% EUWAX Gold II (über das Depot bei der comdirect), 40% physisch als Münzen.
Was mich beim EUWAX Gold II überzeugt hat: Der wird an der Börse Stuttgart gehandelt, ist MwSt-frei, und der Spread ist sehr gering. Außerdem kann man ab einer Unze physisch ausliefern lassen – deutlich niedrigere Schwelle als bei Xetra-Gold.
Für das physische Gold: Ich hab bei proaurum.de bestellt, Wiener Philharmoniker, 1-Unzen-Münzen. Problemlos, seriöser Händler. Die Münzen liegen im kleinen Tresor, den mein Mann eh schon hatte.
Der Gedanke, dass ich einen Teil wirklich anfassen kann, tut mir gut. Auch wenn das rational vielleicht nicht ganz begründbar ist.
— Wer fragt, ist klüger als wer schweigt.
Konrad
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📅 24. Jun 2025, 04:43
#1041
Kleiner Hinweis aus Versicherungsperspektive, den hier noch niemand erwähnt hat:
Wenn ihr physisches Gold zuhause lagert – prüft eure Hausratversicherung. Die meisten Policen decken Bargeld und Wertsachen nur bis zu einem bestimmten Betrag ab, oft 1.000–2.000 € für Schmuck/Edelmetalle. Bei 4.000 € Gold im Tresor seid ihr dann schnell unterversichert. Das lässt sich in der Regel durch einen Zusatzbaustein lösen, kostet aber natürlich extra.
Außerdem: Tresor muss oft bestimmte Anforderungen erfüllen (Gewicht, Verankerung), damit der Versicherungsschutz greift. Nicht alle 180-Euro-Tresore vom Baumarkt reichen da aus. 😉
— Nicht jede Versicherung braucht jeder. Ich sag's trotzdem.
Dieter K.
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📅 24. Jun 2025, 09:33
#1042
KaskoKiller_Konrad schrieb:Tresor muss oft bestimmte Anforderungen erfüllen (Gewicht, Verankerung), damit der Versicherungsschutz greift.
Danke für den Hinweis, das wusst ich ehrlich gesagt nciht. Muss ich mal meine Police raussuchen. Mein Tresor wiegt bestimmt 30 Kilo und ist in der Wand, hoffentlich reicht das...
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Steffen
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📅 24. Jun 2025, 18:18
#1043
Ich pack mal die Nerd-Perspektive drauf: Wenn du Gold als Portfolio-Diversifikation willst (also wegen der negativen Korrelation zum Aktienmarkt in Stressphasen), dann ist der ETC für diesen Zweck identisch mit physischem Gold. Der Goldpreis ist der Goldpreis. Ob du Xetra-Gold hast oder einen Krügerrand im Schrank – beide reagieren auf denselben Spotpreis.
Der Unterschied ist rein: a) Lager-/Versicherungskosten physisch vs. TER beim ETC (Xetra-Gold hat 0,36% p.a., EUWAX Gold II liegt bei 0,30%), b) Liquidität (ETC deutlich besser), c) das psychologische Krisenphantasie-Argument.
Für rationale Portfolio-Konstruktion: ETC. Für das Bauchgefühl: paar Münzen zusätzlich. Beides zusammen macht die meisten Leute glücklich 🙂
— Code tagsüber, ETF-Depot abends.
Sigurd P.
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📅 24. Jun 2025, 21:49
#1044
@SachsenSparSteffen ja klar, solange alles normal läuft ist ETC = physisch. Aber genau dann brauchst du Gold ja auch nicht besonders dringend. Der Punkt ist doch was passiert wenn's nicht normal läuft. Dann ist halt doch ein Unterschied ob du was in der Hand hast oder einen Buchungsposten irgendwo.
Aber gut, ich bin da vielleicht zu pessimistisch. Jeder muss selbst wissen wie viel Vertrauen er ins System hat.
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Manfred K.
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📅 25. Jun 2025, 05:13
#1045
In meinen 40 Jahren Bankgeschäft habe ich viele Trends kommen und gehen sehen. Gold ist das einzige, was immer geblieben ist.
Ich persönlich halte physisches Gold für die überlegene Variante – nicht weil ich Apokalypse-Szenarien für wahrscheinlich halte, sondern weil Generationen vor uns damit Krisen überstanden haben. ETC-Produkte existieren seit ca. 2003. Das ist eine kurze Geschichte.
Allerdings muss ich Kerstin recht geben: Für eine normale Inflationsabsicherung oder Portfoliooptimierung ist ein physisch hinterlegter ETC völlig ausreichend. Man sollte das nicht überdramatisieren. Bei 8.500 Euro würde ich vielleicht 3.000 physisch anlegen und den Rest als EUWAX Gold II – einfach der Einfachheit halber.
— 40 Jahre Bank, trotzdem kein Millionär. Man lernt dazu.
Elsbeth K.
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📅 25. Jun 2025, 13:34
#1046
Ich möchte noch einen Aspekt einbringen, der bisher zu kurz kam: die Rebalancing-Fähigkeit.
Wenn du 10% Gold im Portfolio halten möchtest und das regelmäßig rebalancen willst (was sinnvoll ist), dann ist ein ETC erheblich praktischer. Du kannst im Depot einfach kaufen und verkaufen, ohne Händler-Spreads, ohne Versandkosten, ohne physische Übergabe.
Bei physischem Gold ist Rebalancing umständlich und mit Transaktionskosten verbunden. Das führt in der Praxis dazu, dass viele es einfach lassen – und dann stimmt die Allokation nach ein paar Jahren nicht mehr.
Für eine disziplinierte Portfolio-Strategie spricht das klar für den ETC-Anteil, zumindest für den größten Teil der Position.
— Passives Investieren für aktive Köpfe.
Zuletzt bearbeitet von Elsbeth K. am 25. Jun 2025, 16:23 – Grund: Tippfehler korrigiert
Hanne
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📅 25. Jun 2025, 15:05
#1047
Ich bin ehrlich, ich steh bei dem ganzen ETC-Kram noch ein bisschen auf dem Schlauch 😅 Aber physisches Gold hab ich! 2 Unzen Wiener Philharmoniker, die lagen bei mir 3 Jahre im Schrank bevor ich überhaupt wusste was die wert sind.
Meine Oma hat mir die hinterlassen und damals hab ich gedacht, naja, nettes Souvenir. Heute weiß ich: das war ne gute Entscheidung von ihr! 😄 Manchmal ist das Einfache das Beste.
— Wenig Geld, viel Herz – und trotzdem was zur Seite legen 💪
Norwin B.
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📅 26. Jun 2025, 05:05
#1048
Sorry für den späten Beitrag – bin erst jetzt auf den Thread gestoßen.
Ich würde noch auf einen praktischen Punkt hinweisen wollen: Dokumentation beim physischen Gold. Kaufbelege unbedingt aufheben! Wenn du Gold nach 12 Monaten steuerfrei verkaufen willst, musst du im Zweifel nachweisen können, wann du es gekauft hast. Bei einem ETC macht das das Depot automatisch. Beim physischen Kauf beim Händler: Rechnung aufbewahren, am besten digital gesichert.
Klingt banal, aber ich kenne Fälle wo Leute die Belege verloren hatten und dann steuerlich in Schwierigkeiten gerieten, weil das Finanzamt den Kaufzeitpunkt nicht anerkennen wollte.
— Nebenkostenabrechnung prüfen – fast jede zweite enthält Fehler.
Sabrina L.
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📅 26. Jun 2025, 13:46
#1049
Wow, danke für die vielen ausführlichen Antworten! 🙏 Das hat mir wirklich geholfen, das Thema besser zu durchdenken.
Ich glaube, mein Plan wird jetzt so aussehen: ca. 6.000 € in EUWAX Gold II (wegen der niedrigeren Auslieferungsschwelle und dem geringen Spread) und 2.500 € in physische Münzen – wahrscheinlich Wiener Philharmoniker über proaurum, wie Hilde empfohlen hat. Den Hinweis mit der Hausratversicherung nehme ich ernst, @KaskoKiller_Konrad – das checke ich diese Woche noch.
Und Norwin, der Punkt mit den Kaufbelegen ist Gold wert (pun intended 😄). Wäre mir nie eingefallen.
Schön, dass so ein Forum sowas möglich macht. Danke!
— Eigenheim 2026 – der Plan steht!